Felidae
Sentinel Figures
burnt Porcellaine
Milano Design Week
Fuorisalone del Mobile
April 21-26 Via Palermo, Brera
Preview Gallerie Lisi Hämmerle
Bregenz since Mai 25
Background
Summoning and banishing often go hand in hand. Protective figures have existed since prehistoric times across many cultures and regions such as Africa, Asia, and Europe. In the Assyrian Empire, the Lamassu (600 BC), and in China, the guardian lion (300 BC), were used to ward off evil spirits and demons. In Europe, facade decorations, gargoyles, and corbel figures have been attached to buildings and fountains since antiquity in the form of animals or demonic beings, intended to protect inhabitants, workers, and worshippers.
Concept
In this work, synanthropic—familiar, domestic—“monsters” are invoked to repel danger (cave canem). The sculptor acts as an animator of the object. Through projection and enlargement, the image transforms into a subject that takes on presence and exerts an effect. Apotropaic objects that ward off misfortune operate in a liminal space between art, magic, and, in the broadest sense, even medicine: they embody the idea of defense outward and protection inward. Protective spells, a form of magical thinking, function like a placebo—they work, even if we do not believe in them.
Felidae
Life-sized, white, naked, and hollow, the cat emerges from the lucid dream of the collective unconscious: a quiet threat. Its saber teeth concealed, its claws retracted, the body breathes out a trace of terror from ancient times, when we—more hunters than the hunted—occupied our rightful place. The child slept beside its parents and was still; we held hands.
Cats know how to reach us, how to find us where we live. From the moment they first emerged from the wild and entered into a cautious bond with humans, they have largely determined the conditions of their own voluntary domestication. The tame and the tiger-like coexist within the cat in a supple, if not paradoxical, harmony. As it roams through the shared apartment, invisible primordial jungles grow in the living room, wild streams overflow the water bowl, and sheer rock faces rise upon the windowsills. At decisive moments, cats deploy their claws like grappling hooks and use them to descend toward the earth. They traverse thresholds and the night with familiarity, gazing out from these darknesses with full-moon eyes. The tapetum lucidum is a luminous layer lining the retina of a cat’s eye, reflecting and concentrating every glimmer of light, thus enabling night vision. In Christian culture, the cat was often associated with a subversive power—especially with women who did not conform to conventional expectations of obedience, modesty, and propriety.
Perhaps we come to realize that the cat can guide us back to the central fire of our true home. Its mere presence conveys a reconnection with the instinctive ground of belonging. It demonstrates what we carry within us and how we might claim it as our own; it teaches us to hunt within the dark landscapes of our psyche for hidden aspects—and to bring them unapologetically into the light of day.
Felidae. Wächter aus Porzellan 2025/26
Hintergrund: Heraufbeschwören und Bannen gehen oft Hand in Hand. Wächterfiguren existieren seit prähistorischer Zeit in vielen Kulturen und Regionen wie Afrika, Asien und Europa. Im assyrischen Reich hält Lamassu (600 v. Chr), in China der Wächterlöwe (300 v.Chr.) böse Geister und Dämonen fern. Fassadenschmuck, Wasserspeier und Konsolfiguren an Gebäuden und Brunnen werden in Europa seit der Antike in Form von Tieren oder dämonischen Gestalten angebracht, um das Bewohner, Arbeitende, Betende zu schützen.
Konzept: In dieser Arbeit werden synantrope – bekannte, hauseigene –„Monster“ aufgerufen, um Gefahren abzuwehren (cave canem). Der Bildhauer wirkt als Animator des Objektes. Durch Projektion und Vergrösserung verwandelt sich das Abbild zum Subjekt, das Präsenz einnimmt und Wirkung zeigt.
Unheilabwehrende, apotropäischen Objekte wirken in einem Grenzbereich zwischen Kunst, Magie und im weitesten Sinne auch Medizin: Sie bedienen die Idee von Abwehr nach Aussen, und Schutz nach Innen. Schutzzauber, eine Form von magischem Denken, gilt als Placebo, er wirkt, auch wenn wir nicht daran glauben.
Überlebensgross, weiss, nackt und hohl taucht die Katzen aus dem luziden Traum des kollektiven Unbewussten auf: Eine heimliche Drohung. Die Säbelzähne verdeckt, die Krallen eingezogen, atmet durch die Körper die Spur eines Terrors aus alten Zeiten, als wir - mehr Jäger als Gejagte - den rechten Platz einnahmen. Das Kind schlief bei den Eltern und war still, wir hielten uns die Hände.
Katzen wissen, wie sie zu uns kommen können, uns da zu finden, wo wir leben. Von dem Moment an, da sie zum ersten Mal aus der Wildnis kamen und eine vorsichtige Bindung mit Menschen eingingen, haben sie die Bedingungen ihrer freiwilligen Domestizierung weitestgehend selbst bestimmt. Das Zahme und das Tigerhafte lebt in der Katze in geschmeidigen, wenn nicht gar paradoxen Einklang. Durchstreift sie die gemeinsame Wohnung wachsen unsichtbar urzeitliche Dschungel im Wohnzimmer, überströmen Wildbäche die Wasserschüssel, ragen Felswände auf Fensterbänken. Katzen setzen ihre Klauen im entscheidenden Moment wie Enterhaken ein und nutzen diese Möglichkeit erdwärts. Sie durchwandern vertraut Schwellenbereiche und die Nacht und schauen aus diesen Dunkelheiten mit Vollmondaugen. Das Tapetum lucidum ist ein leuchtender Teppich, der die Retina von Katzenaugen auskleidet, jeden Lichtschimmer reflektiert und konzentriert und so die Nachtsicht ermöglicht. In der christlichen Kultur wurde die Katze häufig mit einer subversiven Macht assoziiert, insbesondere mit Frauen, die mit den üblichen Erwartungen an weibliche Gehorsamkeit, Bescheidenheit und Biederkeit nicht konform gingen.
Vielleicht stellen wir fest, dass die Katze uns an das zentrale Feuer unseres eigentlichen Zuhauses führen kann. Ihre blosse Anwesenheit vermittelt die Wiedervereinigung mit dem instinktiven Heimatboden. Sie demonstriert, was wir in uns tragen, und wie wir es als unser Eigen nutzen können, sie lehrt uns, in dunklen Landschaften unserer Psyche nach verborgenen Anteilen zu jagen – sie unapologetisch ans Licht des Tages zu holen.